Nur Google kennt den Weg
Ich bin ja nicht der wirklich große Reiser.
Obwohl das eigentlich gar nicht so sehr an mir liegt… ich mag das schon wirklich gern.
Doch mein Mann und sein Laden und mein Sohn und sein PC und meine Katzen und ihre Bequemlichkeit halten mich an der kurzen Leine.
In den letzten Monaten ist ihnen das nicht gelungen, denn ich war bei vielen Produzenten und Züchtern und habe das auch sehr genossen. Auch wenn man im Verlag der Meinung ist, dieses Projekt wäre auch vom Schreibtisch aus zu bewerkstelligen, muss ich da ganz klar widersprechen. Natürlich gibt es einige Menschen mit denen man am Telefon oder per Mail direkt gut klar kommt und schöne, unterhaltsame und manchmal auch anrührende Geschichten hört – aber das ist natürlich bei weitem nicht mit jedem möglich.
Sehr viele wollen doch sehen, wer sich da interessiert, ob er sich wirklich interessiert und für was er sich eigentlich interessiert.
So manch leckerer und unleckerer Kaffee wurde daher von mir ohne Murren geschlürft, so mancher Matsch ohne Gezicke durchschritten, so mancher Zaun überwunden (da wähle ich ja häufig den weniger attraktiven Weg unten durch
– um schließlich und endlich hier zu sitzen und meine Eindrücke für euch zusammen zu tragen.
Heute eine kleine Übersicht wo ich war:
Ausgangspunkt Dießen am Ammersee
Bodensee – Halbinsel Höri
Preetz
München
Schlat
Bundorf
Wittmund
Ehrenberg
Augsburg
Sugiez (Mont Vully)
Gut Kerschlach
Ekenis
ZLF München
Aarau
Untereisenheim
Worpswede
Wolpertshausen
Irgendwo im Nirgendwo im Alten Land bei Eckart Brandt – das reimt sich sogar ![]()
Wilstedt
Herrsching
Hamburg
Bad-Hindelang-Unterjoch
Alfter
Küttigen
Lemgo
München
Mainz Mombach
Todtnau-Präg (und die Gegend drumherum)
Und jetzt sitze ich natürlich wieder am Ausgangspunkt und bin immer noch nicht mit allem fertig. Aber fast ![]()
Dabei schaue ich einerseits auf die große Deutschlandkarte links neben mir und staune, wo ich schon war. Oder ich durchsuche meine Map bei Google – die hat mein Sohn für mich angelegt und da sind dann auch Details zu den einzelnen Orten vermerkt…
Birnen in Höchstklasse
Eine Birne die es wert ist, sich einem Rechtsstreit auszusetzen… weil sie einen Namen trägt, der älter als das Recht der Champagne an dieser Bezeichnung ist: die Champagner Bratbirne.
Natürlich müssen solche Geschichten ins Buch. Und so fahre ich nach Schlat – das liegt südlich von Stuttgart und in echtem Herbstwetter. Manchmal bin ich wirklich
verwundert, warum ich nicht alles einfach telefonisch kläre – aber nein – Anne muss da hinUnd hat in diesem Fall mehr als Glück: Jörg Geiger, der die kleine Birne zu höchster Qualität vergärt, ist ein zauberhafter Mann und lädt mich allen ernstes auch noch zum Essen ein. Da kann ich dann auch seine Priseccos verkosten (ich muss ja auch irgendwie wieder nach Hause – und Alkohol beim Arbeiten geht bei mir höchstens wenn wir renovieren….).
Ich glaube, Jörg Geiger war etwas verwundert, dass ich mich auch für seine ausgestellten Pomologenwerke interessierte und hat sie mir gleich gezeigt. Ihr wißt ja schon, dass da mittlerweile eine kleine neue Leidenschaft wächst.
Die Manufaktur ist wirklich beeindruckend und ich bin jetzt im Nachhinein noch trauriger, dass ein geplanter Slow Food Ausflug unseres Conviviums damals nicht zustande kam. Andrea hatte ihn initiiert und wir fanden nicht genug Leute die mitwollten. Vielleicht können wir das ja 2013 nachholen… ich wäre sofort wieder dabei.
Jörg Geiger produziert hier seit 1995 Schaumwein und da der Name der Birne nun mal seit mindestens 1760 Champagner Bratbirne lautet und hier auch seit 1823 der allererste deutsche Sekt aus diesen Früchten gekelltert wurde, hat er seinen Birnenschaumwein mit dem Namen der Frucht versehen. Das sah man aber in der Champagne gar nicht gern, denn seit dem Versailler Vertrag (1918) ist der Name geschützt.
„Gerade der Gegenwind aus der Champagne hat mich in meinen Plänen bestärkt,“ meint Geiger. Er hat alles daran gesetzt sein Produkt weiter zu verbessern, um ein herausragendes und einmaliges Qualitätsprodukt zu erzeugen. Dafür arbeitet er auf seine Weise – mit Birnen, statt Trauben.
Seit einem Vergleich mit den Vertreter der Champagne von 2007 heißt der edle Tropfen nun „Birnenschaumwein von der Bratbirne“ und der Eigenname „Champagner Bratbirne“ versteckt sich auf der Flaschenrückseite.
Es gibt unterschiedliche Fruchtarten: Mostbirnen sind im Gegensatz zu Tafelbirnen nicht zum Rohverzehr geeignet, da sie einen hohen Gerbstoffanteil haben. Diese nutz Geiger für seine Produkte. Berühmtes Beispiel ist eben die Champagner Bratbirne. Wobei der Namenszusatz „Bratbirne“ hier schon verrät, dass diese Birne sich nach dem Braten bereits verzehren lässt. Reine Mostbirnen lässt das Erhitzen geschmacklich kalt.
Jörg Geiger sammelt seither Fans und Auszeichnungen für seine Produkte.
Mich hat er auch vollständig überzeugt und ich habe auch die Prisecco-Linie sehr genossen
Empfehlenswert!
Gerade noch mal gut gegangen…
Nicht zu schlafen hat manchmal doch auch Vorteile.
Man hat Zeit zum Grübeln.
Meist ist das nicht nur “Zeitverschwendung der feinsten Art” sondern auch noch echt contraproduktiv.
Heute nicht.
Oder besser “heute Nacht nicht”.
Meine Freundin Andrea (die jede Rennbahn der Welt kennt) hat auch schon alle Mittwochstermine umgelegt, um mich begleiten zu können.
Eitel wie ich bin gehe ich davon aus, dass es ihr mehr um die amüsante Autofahrt mit mir, als um die Rennbahn in Aarau geht… doch wer weiß
Doch jetzt ist eh alles zu spät.
Der Termin in der Schweiz war nämlich heute.
Also der Termin, zu dem ich hin wollte. Denn einen Marktstand zu fotografieren, finde ich nun nicht so prickelnd. Menschen bei der Ernte habe ich auch schon ein paarmal. Daher dachte ich es sei reizvoll dabei zu sein, wenn die Landfrauen die Rüebli für den Markt vorbereiten.
Und zum Glück ist mir das heute früh (im halb wachen Zustand) auch noch eingefallen…
Daher – Kommando zurück und volle Kraft voraus nach Aarau.
Wie ihr an den Bildern seht, war ich erstens noch rechtzeitig und zweitens ist es auch wirklich mal was anderes.
Die Frauen unterhalten sich lachende während sie in der Eiseskälte mit den Händen die Erde von den Rüebli reiben. Dran lassen können sie die Erde nicht, weil sie dann Schweizer Erde verkaufen würden (was selbst die Schweizer Hausfrauen nicht akzeptieren – und die sind echt sehr bewußt und wählen immer lieber das Schweizer Produkt) und waschen darf man sie auch nicht, dann sind sie nicht mehr so lange haltbar.
5 Kilo habe ich den Landfrauen abgekauft und werde sie bestimmt bis Weihnachten verteilt haben.
Von der Kiste Höri-Bülle ist schließlich auch nur noch der Zopf übrig ,-)
Was für ein Ritt!
Heute ging es nach Lemgo – das ist in der Nähe von Hameln und wer es noch genauer wissen will… Google findet es.
Der Tag war ein Traum und als ich durch die Heide fuhr wurde mir ganz wehmütig. Zu gerne hätte ich die Autobahn verlassen und wäre ein wenig hier geblieben… aber Lemgo ruft.
Hier gibt es eine extrem aktive Ortsgruppe des BUND (Bund Naturschutz), die eine große Obstsortendatenbank ins Internet gestellt hat.
Willi Hennebrüder ist der Mann der Worte – er hat mich auf viele Apfelsorten aufmerksam gemacht und mir wirklich bei der Entscheidung geholfen, welche Äpfel ins Buch sollen: Sertürner Renette, Lausitzer Nelkenapfel, Jakob Fischer.
Immer noch in meinem Hinterkopf sind Finkenwerder Herbstprinz (davon hat Eckart Brandt so toll erzählt) und der Korbiniansapfel.
Da ich ja aber auch noch ein paar Birnen, Kirschen und andere Obstsorten habe, merkt ihr schon – der Platz wird knapp.
Nicht wirklich knapp ist die Fläche, auf der der BUND eine Streuobstwiese pflegt.
Wir haben über 2 Stunden gebraucht, um alles anzuschauen und Willi Hennebrüder wußte zu fast jedem Baum was zu erzählen… und zum Gelände selbst, denn die etwa 280 Bäume stehen im alten Lustgarten der Edelherren zu Lippe nördlich des Schlosses Brake.
Eine Herde aus Ostfriesischen Milchschafen und Bentheimer Landschafen leben sozusagen im Erdgeschoß. Alte Rassen, aber nicht im Buch vorgesehen. Auch so was gibt´s natürlich.
Leider musste ich feststellen, dass von den geplanten Äpfeln nur die Sertürner Renette auf einem Ast hier wächst. Also hatte ich die sensationelle Möglichkeit drei Äpfel aus 360 Grad zu fotografieren.
Schon frustrierend.
Gegen 14 Uhr war ich fertig.
Und nun?
Mein Navi rechnete mir vor, dass mein Weg zurück nach Hamburg dieselbe Zeit beanspruchte, wie der zu den Schnucken im Weser-Ems-Gebiet.
Da wurde mir sogar gleich noch ein Bett angeboten, weil der Mann von Nadja Heftrich-Beckers (meiner Schnuckenfrau) heute eh Geburtstag hätte und sie sich freuen würden, wenn ich dazu käme.
Oh mein Gott. Ich will doch gar nicht stören – nur die Gelegenheit (und das schöne Wetter) nutzen, um die Schnuckenfotos zu machen und Nadja kennen zu lernen…
Also ich nach Till bei Wittmund…
Und in mein Bett in Hamburg kam ich erst in den Morgenstunden.
Wilstedter Kohlmarkt
Da bin ich nun, wie angedroht, auf dem Kohlmarkt in Wilstedt. Ist eigentlich gar kein Kohlmarkt, sondern ein Schlemmermarkt.
Irgendwie habe ich es mir alles etwas anders vorgestellt, muss mich wirklich erst wieder an meine norddeutsche Heimat gewöhnen. Alles hier ist ein wenig weitläufig ![]()
Und so ordentlich…
Aber hier und heute lerne ich Jochen (meine hilfsbereiten Gemüsefachmann) endlich persönlich kennen. Das Wetter könnte nicht schöner sein und so leer ist es nun auch nicht wirklich.
Es gibt eine ordentliche Ansammlung von Ständen, Kochstationen und Handwerkern.
Auch Karsten Ellenberg steht mit seiner Kartoffelvielfalt hier.
Bei ihm schaue ich natürlich auch kurz vorbei. Keine Zeit, aber so weiß man wenigstens, mit wem man es zu tun hat, wenn wir später telefonieren.
Man mümmelt sich also sozusagen durch diesen Markt.
Mein absoluter Favorit ist “Bio-Pergraupenrisotto mit Nero di Toskana (schwarzer Kohl), rote Bete-Walnusspesto und Birnenkompott”. So eine Probierportion kostet dann 2,50 Euro.
Finde ich in Ordnung.
Sebastian Schneider vom Restaurant Bloom in der Botanika in Bremen hat es aus Zutaten von Green Golds (das ist Jochen!) gekocht.
Leider bin ich allein – da kann und werde ich natürlich auf das passende Glas Wein verzichten…
Auch Filder Spitzkraut, das ja hier eigentlich gar nicht so wirklich beheimatet ist, finde ich hervorragend.
Und die Präsentation der Stände ist wirklich sehr gelungen.
Bei Jochen ist viel los – wenn die Menschen an den Ständen die Sachen probiert haben, kommen sie anschließend zu den Produzenten und holen sich die Produkte. Außerdem hat er sein Schwester und jede Menge Pestos und Marmeladen dabei… alles wirklich hervorragend.
Nur zum Quatschen kommen wir natürlich kaum – aber das war abzusehen.
Dazu komme ich ja in zwei, drei Tagen noch mal her.






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