Archiv für die Kategorie „Slow Food Fünfseenland“
Gewissens-Bisse
Ein echtes Problem unserer Zeit.
Unserer Gesellschaft.
Unsere Lebenseinstellung.
Meine Ur-Oma hatte es nicht, meine Oma hatte es nicht, meine Mutter hatte es nicht und mein Vater hat es bis heute nicht – aber ich habe es….
Wenn ich eine Suppe koche oder eine Sülze oder etwas vergleichbares plane, stehen sich die beiden Annes im Weg.
Einerseits ist es für den Geschmack unabdingbar, dass ich das Gemüse im Sud mit koche.
Also während einer beträchtlichen Zeitspanne der Hitze preis gebe.
Das ist in meinen Augen enorm wichtig für das Gesamtergebnis. An das ich natürlich hohe Ansprüche stelle.
Anderseits mag ich aber partou kein extrem weiches, verkochtes Grünzeug (auch kein Orangezeug oder welche Farbe dem Gemüse auch immer zu Grunde liegt).
Für mich muss Gemüse – genau wie Pasta oder Risotto – einen gewissen Biss haben.
Nicht mehr roh – aber durchaus knackig sein.
Und das bedeutet, das ich nach dem Kochen nicht weiß, was ich mit dem zerkochten Gemüse machen soll.
Einfach wegwerfen geht natürlich überhaupt nicht…
Verschwendung!
Unsere Katzen (natürlich vor allem Heinz), die mir sonst völlig uneigennützig aus mancher Klemme helfen, streiken. Sie wollen das labberige Zeug schon mal nicht.
Mein Mann findet es nicht so schlimm, er würde es schon essen.
Seine Mama kocht nur so ;-(
Bei meinem Sohn genügt ein Blick. Er versteht mich sofort.
NIE würde er das essen wollen.
Die einzige Möglichkeit ist pürieren… aber das funktioniert natürlich nicht bei klaren Brühen.
Jetzt hat mir jemand die Anschaffung eines Schweines empfohlen.
Das ist doch die Lösung!
Da könnte ich auch einige andere Nahrungsmittel, die das Haltbarkeitsdatum klammheimlich und hinter meinem Rücken überschritten haben, guten Gewissens unterbringen.
Und einigen Freunden Hilfe bei deren Entsorgungsproblemen anbieten. Ich weiß nämlich, dass ich in nicht allein mit meinen Skrupeln bin.
Allerdings habe ich jetzt schon Angst vor den nächsten Problemen, die da auf mich zukommen werden.
Oder glaubt ihr etwa, das ich mit ruhigem Gewissen weiter Fleisch essen mag, wenn wir erst ein Familienmitglied der zauberhaften Gattung Sus scrofa domestica haben
))
Slow Picknick im Trockenen
Schnecken lieben Regen. Dann kommen sie raus und sind nicht zu bremsen. Aber wir lieben ihn nicht. Vor allem nicht wenn wir picknicken wollen.
Unser Slow Picknick, dass ja eigentlich wie im letzten Jahr im Schacky-Park stattfinden sollte, konnten wir dank Carmens Idee und Initiative, sowie der unkomplizierten Bereitstellung durch den Dießener Marktverein diesmal in der Markthalle durchführen.
So waren wir vor Niederschlägen geschützt und haben gleichzeitig natürlich den stetigen Besucherstrom zum Handwerkermarkt in den Seeanlangeb kurzfristig angelockt und vom Weg abgebracht, über die Markthalle und Slow Food informiert und dann mit so manchem Schmankerl versehen weiter geschickt..
Natürlich war der aktive Kern unsere Gruppe dabei – aber auch einige, die einfach mal schauen und probieren wollten und gleich herzlich aufgenommen wurden. Die Liebe zu gutem Essen und Trinken verbindet halt schnell.
Da sind auch ganz viele Pläne entwickelt worden und ich bin sicher, dass ich in Zukunft wieder von einigen schönen Aktionen berichten werde.
Damit ihr einen Eindruck erhaltet, was es gab, hier meine Liste (ich hoffe, ich habe nichts vergessen – wenn doch ist es keine böse Absicht!):
- Räucherfisch-Gemüse-Quiche von Christa mit selbst gefangenem und geräuchertem Fisch von Ernst. Unsere Bewunderung war deutlich zu hören.
- Ziegenquarkmaultaschen auf Blütensalat von Carmen. Sie hat geschickt die Vorteile der Markthalle (und ihren Stand dort) genutzt und uns etwas Warmes credenzt… außerdem gab es dann zum Nachtisch noch Bauernhofeis mit selbstgemachtem Erdbeermousse…
- Tabulé – Couscous-Salat mit Gurken und Tomaten, Paprika und Zitronenminze von Marion. Eigentlich für einen heißeren Tag geplant, aber auch so sehr gut.
- Kartoffel-Malz-Roggenbrot, Ziegenkäse-Birnen-Obatzda und Mediterrane Paprika-Aubergine-Terrine von Marti. Unsere kleine Geheimwaffe aus Herrsching ist doch immer für neue Spezialitäten gut.
- Putenleberbruschettapaste, vor 10 Jahren eingelegte Knoblauchbrutzwiebeln und NUR wilder Mango von Ulrike und Said, die sich damit ganz schnell in die Herzen der Anwesenden schlichen.
- Teighörnchen aus Quarkblätterteig salzig: mit Rikotta-Spinat-Füllung, Apfel-Birnen-Zwiebel-Chutney mit Curry, Zitronenmelisse und Minze, sowie Blüten von Borretsch und Oregano
und süß: mit Brombeermarmelade und Johannisbeersahne. Im Teamwork von Rita und Karl, der sich gerne mal in Details verliert
- Quiche mit Hack und Zucchini, sowie eine Zitronencreme mit Minze (und Brombeere – Anmerkung der Redaktion) von Susanne. Andreas hat dafür diesmal die Aufbauarbeiten übernommen und sich in der Küche zurück gehalten. War aber kein Problem und wir haben uns über seine Unterstützung gefreut.
– Ähnliche Arbeitsteilung auch bei Gisela und Richard. Gisela hat uns eine Lammpastete mit Apfel-Birnen-Chili-Chutney mit gebracht. Und Richard eine Bierbankgarnitur. Dank an beide
- Sulzfleisch mit frischem Meerettich von Anne und Guido – der natürlich auch wieder für die Getränke zuständig war. Mal unter uns: wenn ich diesen Mann nicht hinter mir hätte, könnte ich solche Aktionen gar nicht machen. Danke mein Schatz!
- Croustades mit Lammhackfleisch-Couscous-Füllung, Croustadesmit Räucherfischquiche von Andrea. Ihr charmanter Begleiter Rainer hat dazu noch Blätterteig mit Basilikumcreme-Räucherlachsschnecke und Blätterteig-Räucherfisch-Salbeimousse beigesteuert. Das sah alles nicht nur hervorragend aus, sondern hat auch super geschmeckt.
Und ich gehe davon aus, dass die entsprechenden Rezepte über kurz oder lang auf Andreas Blog auftauchen…
- Wiener Backhendl, Kartoffel-Gurkensalat und Burgweckerl hat unser Großmeister der Schmalznudeln gezaubert. Und er hat an diesem Tag ganz Dießen kennen gelernt – hat er mir auf jeden Fall glaubhaft versichert – als er uns dann endlich aufgespürt hatte.
- Panzanella von Wolfgang. Also ein Tomaten-Brotsalat. Besonders schön war seine Schilderung der verschiedenen vorbereitenden Trockenvorgänge… und super geschmeckt hat er auch noch. Der Salat.
Rote Karte für deutsche Johannisbeeren

Zum Glück habe ich eigene Johannisbeeren im Garten - und da ist maximal ein Spinnennetz oder Regentropfen dran
So zum Beispiel gerade nach allerlei Beeren für Marmeladen, Gelees und Chutneys.
Oder auch den diesjährigen Rumtopf…
Sehen ja auch super aus, wenn die Früchte einen aus ihren Schälchen leuchtendrot anlachen… da mag man gleich probieren und überlegt schon, wie man diese Pracht für die kältere Jahreszeit bewahren kann.
Aber zu früh gefreut!
Greenpeace hat bei den größten Supermarktketten Himbeeren und Johannisbeeren gekauft und untersuchen lassen – das Ergebnis sind zwei Anzeigen und eine aktuelle Warnung vor heimischen Johannisbeeren:
Laboranalysen von Beeren-Proben aus vier großen deutschen Handelsketten belegen Cocktails von bis zu neun verschiedenen Pestiziden. Deren Wirkung kann als gesundheitsgefährdend eingestuft werden.
Den Verkauf von Johannisbeeren mit Rückständen nicht zugelassener Spritzmittel bei Edeka und Tengelmann hat Greenpeace bei den zuständigen Lebensmittelüberwachungsämtern angezeigt.Quelle: www.greenpeace.de
Gaston Lenôtre – der König der Feinbäcker

Je nach Bräunungsgrad des Caramels ist das Eis dunkler oder heller und verträgt auch noch ein Caramel-Dekoteilchen...
Oder ist es nicht viel mehr so, dass sich die Geschmäcker im Laufe der Zeit so sehr verändern, dass alle Rezepte irgendwann mal überholt sind?
Das die Koch-Mode Trends setzt, die nach einigen Jahren nur noch ein fassungsloses Kopfschütteln verursachen?
So wie die Fotos in den Kochbüchern vor 2000
Es gibt perfekte Rezepte!
Grundrezepte wie Bratkartoffeln, Pfannkuchen oder Frikadellen – aber auch ganz fein abgestimmte Rezepte, die an Aktualität nicht verlieren, weil sie unvergleichlich gut sind. Weil bei ihnen einfach alles stimmt und sie nicht einem Trend folgen, sondern die Suche nach der Harmonie erfolgreich war.
Daher habe natürlich auch ich einige Klassiker in meinem Kochbuchregal und auch wenn ich sie nicht immer 1:1 umsetzte, so ist hier ein Wissen verankert, dass kreatives und geschmackvolles Kochen erst möglich macht.
Eines diese Bücher: Gaston Lenôtre – der König der Feinbäcker
Kleine Schmalznudel-Schwemme
Und da unsere Slow Food Gruppe schon bei der Eröffnung mit La Dolce Vita den richtigen kulinarischem Rahmen gesteckt hatte, ging es mit einer gelungenen Mischung aus “Alten Hasen” und “Jungen Wilden” in eine zweite Runde.
Leider hat das Wetter diesmal nicht 100% mitgespielt – es zogen immer mal wieder vereinzelte Regenschauer durch und so richtig kuschelig war es auch nicht.
Dafür haben wir aber beim Essen ordentlich zugelegt… Richard, der Meister der Sauerteig-Schmalznudel (mit denen er uns erstmals beim Slow Picknick im Schacky Park begeisterte, aber das Rezept bis heute nicht verraten hat), kam mit fast 200 Stück an.
50-80 waren in der ersten Planung im Gespräch ![]()
Doch da die Handwerker einen wahren Ansturm erwarteten (der natürlich nicht kam!), wuchsen bei uns die Speisemengen. So ganz leise und unauffällig… aber sehr effizient.
Statt 2 mal Quiche Lorraine (von Marion), waren es 3, der Nudel-Spargel-Auflauf (von Andrea W.) kam auch in doppelter Ausführung, die marinierten gelben Rüben, der Radieschen-Spargelsalat und die Pinien-Schinken-Käsecreme (von Jessica) bekamen am Vorabend noch Zuwachs und der Obazde (von Susanne) erschien in einer original bayerischen Gebindegröße.
5 kg Erdbeeren in Balsamico (von Andrea S.) taten ein übriges… und dann gab es ja noch 1 kg Topfen – der von Hartwig vor Ort mit Schnittlauch angemacht wurde, 2 Brote aus unserer Produktion,
Käse, Butter, gefüllte Radieschen (von Hartwig und zum Glück nicht die angeforderten 200 Stück – sondern eine überschaubarer Teller), 2 kg weißen Spargel mit Ruccola, den wir wieder vor Ort gebraten haben… man merkt schon – hier wurden wirklich alle satt.Und im Verlauf des Tages immer experimentierfreudig.
Die Schmalznudeln, die fälschlicherweise häufig als Brötchen bezeichnet wurden und die Richard nach eigenen Angaben im Wok ausgebacken hat, waren noch ganz warm, als wir uns am Mittag trafen.
Und dufteten…
Kinder mochten sie natürlich am liebsten pur.
In jeder Hand eine
Und eine junge Frau haben wir damit sogar zum Sauerteig bekehrt.
Allein der Name “Sauerteig” schreckte sie “..das klingt ja wie bei Pfister..” (keine Ahnung – aber das schien sie wirklich als schlecht zu empfinden?!), doch nach einem Probierhäppchen orderte sie gleich noch drei Schmalznudeln…
Dazu gab es in bewährter Art Weine von Krempels und ihr solltet unbedingt mal Erdbeeren in Balsamico einlegen und dann ein Gläschen mit Prosecco auffüllen.
Oder den gebratenen Spargel mit den Erdbeeren reichen.
Oder einfach vorbei schauen, wenn die Schnecken aus dem Fünfseenland zeigen, was sie unter “gut, sauber, fair” verstehen und mit viel Engagement und noch mehr Spaß kulinarische Köstlichkeiten auftischen.
Das nächste Mal übrigens am 3.7.2010 ab 16 Uhr im Yoveda in Schondorf….
Ich bin immer wieder begeistert, was für eine nette Truppe sich da gebildet hat und sage allen, die dabei oder auch im Hintergrund aktiv waren, vielen herzlichen Dank!





