Bergauf-Bergab – Wanderung am Bodensee

Da kommt wieder die Unbedarftheit einer Norddeutschen durch: ich habe mich zum Genusswandern am Bodensee angemeldet und ahnte in keiner Weise, wie sehr eine Wanderung hier bergauf-bergab gehen kann. Unfassbar. 

Drei zertifizierte Bodensee LandGänge sind auf unserer (also der Bayerisch-Baden-Würtembergischen) Seite zu erkunden: „Gehrenberger Guckins-Land“, „Bermatinger Waldwiesen“ und die „Bergtour Höchsten“. Dies sind in sich geschlossenen Rundwanderwege mit ganz unterschiedlichen Ansprüchen: von locker Schlendern bis zu heftig Schnaufen. Und ganz klar: damit starten wir.  „Bergauf-Bergab – Wanderung am Bodensee“ weiterlesen

Ein Wiedersehen in der Rhön

Da stehen sie nun und schauen, die schwarzköpfigen Rhönschafe, die geschorenen. Vielleicht sind sie ja seit dem letzten Buch meine heimlichen Lieblinge… doch diesmal bin ich auf Einladung der Thüringen Tourismus in Thüringens Rhön und nicht in Hessen oder Bayern. Denn siehe da: die Rhön war (ist) dreigeteilt. Und das „Land der offenen Fernen“ war in der Zeit des kalten Krieges und der DDR ein Landstrich der Grenze und Bedrohung.  „Ein Wiedersehen in der Rhön“ weiterlesen

Point Alpha – ein Blick zurück ist ein Blick nach vorn

Gedenkstätten sind leider häufig eher traurige, lieblose und dadurch auch völlig nutzlose Versuche, die Erinnerung wach zu halten. Wer kann sich nicht an diese langweiligen Klassenausflüge zu irgendwelchen wichtigen, verstaubten und unattraktiven kultur- oder geschichtsträchtigen Stätten erinnern, bei denen der Lehrer genauso desinteressiert in der Ecke stand, wie die Schüler!? Ganz anders in Point Alpha!

Ich habe den Test gemacht – und diese Gedenkstätte hat bestanden 🙂 „Point Alpha – ein Blick zurück ist ein Blick nach vorn“ weiterlesen

Alle Wege führen nach Rom – 4

… und auch wieder hinweg.

Unser letzter Tag, der ja eigentlich schon gar nicht mehr zählt, weil wir den größten Teil davon mit der Reise verbringen werden.
Doch das ändert natürlich nichts am Genuss den wir auch heute früh beim Gedanken an den ersten Cappuccino des Tages aufkommen lassen.

Wieso können die Italiener das einfach besser als wir...
Gerade mal eine Straße entfernt von unserem Hotel sind wir nämlich jeden Morgen gestartet.
Oder haben die erste Pause gemacht – kommt ein wenig auf die Betrachtungsweise an…
In einer typischen kleinen Cafebar.

Ein langer Tresen, eine riesige Kaffeemaschine, ein Regal mit Zigaretten und Losen, ein Kühlschrank mit Milch & Co – und jeden Tag andere Menschen hinter der Theke.

Mein Sohn empfindet die Vorliebe der Italiener für kleine, süße Leckereien statt eines Frühstücks als sehr charmant und würde sie sicherlich auch gerne daheim weiterführen.
Das wird natürlich nix.

Aber hier und heute natürlich doch noch mal unser Frühstücksprogramm: ein Cappuccino, ein Wasser und für jeden ein süßes kleines Gebäckstück.

Alles wie jeden Tagen – doch nicht alles.
Denn jeden Tag zahlen wir für die gleichen Dinge einen anderen Preis 😉

Natürlich immer mit einer anderen wortreichen Erklärung… mal kostet uns der Sitzplatz draußen im kleinen Zelt etwas, dann das Bringen oder Abholen unserer Bestellung – und was weiß ich – vielleicht demnächst noch die Sonne oder die Farbe der Kleidung.

Es ist nicht viel aber schon eine Spanne von 3 Euro.
Mein Sohn ist völlig überrascht.
Das kennt er natürlich nicht.
Und er kennt auch mich nicht so.

Warum sollte ich mit jemandem diskutieren oder gar streiten?
Dazu habe ich keine Lust und amüsiere mich stattdessen über die Erklärungsversuche… ich lasse mir doch meine Urlaubslaune nicht verderben. Wo kämen wir denn da hin?

Und so zahle ich am letzten Tag einen mittleren Preis.
Auch gut.
Im Hotel hätten mich unser Frühstück pauschal 23.- Euro pro Person und Tag gekostet. Da bin ich hier doch immer besser dran.

Unsere gestrige Orientierungstour im Bahnhof hat nicht viel gebracht – sie hat uns nur sehr deutlich gezeigt, wie elend groß er ist.

Zum Glück treffen wir eine Italienerin, die Englisch spricht und auch noch ein wenig Zeit hat.
Denn sie muss extra Losgehen um sich zu erkundigen, wo und wann der Zug zum Flughafen startet.

Mit Informationstafeln sind die Römer nicht unbedingt großzügig.
Und einfach zu verstehen ist das wenige, was man entdeckt auch nicht… selbst für Einheimische nicht.

Diese Italienerin ist ein Hauptgewinn – sie findet innerhalb von 10 Minuten alles heraus. „Molte Grazie!“

Nur weiß auch sie nicht, wie und wo man ein Ticket bekommt.

Denn an den Automaten geht es nicht.
Mehrfache Versuche erbringen immer wieder das gleiche frustrierende Ergebnis.
Kein Ticket.
Ein Schalter muss her.

Und an dem kostet das Ticket natürlich gleich wieder 2 Euro mehr.
Manchmal hat man den Eindruck, dass man hier wirklich für alles extra zahlen muss.
Doch egal – wir sitzen im Zug und warten auf die Abfahrt.

Da erscheint ein hechelnder Italiener mit Koffer – reißt die bereits geschlossene Zugtür auf und lockt damit augenblicklich den Zugbegleiter hervor.

Es folgt eine wilde, gestenreiche Diskussion.
– Man solle doch einfach noch ein paar Minuten warten, bis auch seine Frau hier sei.
– Das gehe ja wohl auf gar keinen Fall
(meint der Schaffner).

Doch der Reisende siegt durch Beharrlichkeit und ein so ausuferndes Palaver, dass die Frau schnaufend doch noch einsteigt und unser Zug mit 4 Minuten Verspätung abfährt.

Sensationell.

Und für uns natürlich mal wieder kein Problem – schließlich sind wir früh genug dran.
Am Flughafen dann unser erstes Mobil-Telefon-Einchecken.

Schon cool.
Doch als die Stewardess mir eine papierene Boardingcard anbietet, greife ich zu.
Schließlich kann ein plötzlicher Stromausfall sonst unseren Rückflug gefährden.

Der Duty-Free-Bereich des Flughafens ist enttäuschend.
Wenn ich auch sonst immer von der Qualität der Schnellrestaurants an den Autobahnen begeistert bin, kann ich hier nur sagen – Oh mein Gott!
Grauenhaft.

Nächstes Mal sind wir besser gewappnet und holen uns vorab ein wenig Wurst, Käse und Brot…
Und darauf freuen wir uns schon 😉

Rom ist eine Welt, und man braucht Jahre, um sich nur erst drinnen gewahr zu werden.
Wie glücklich find´ ich die Reisenden, die sehen und gehen.

Johann W. von Goethe, Italienische Reise

Alle Wege führen nach Rom – 3

… egal wie das Wetter ist.

Heute nun regnet es.
Das ist nicht ganz so schlimm, denn wenn die Sonne so richtig runterknallt ist ein Tour wie wir sie heute planen schon leicht selbstmörderisch.

Von unserem Hotel sehen wir den Bahnhof aus der Vogelperspektive
Wir haben für den frühen Nachmittag eine deutschsprachige Führung gebucht – der Veranstalter verspricht schnellen Eintritt ohne Anstehen und will das „Alte Rom“ in sagenhaften 3 Stunden bewältigen.

Da sind wir mal gespannt.

Und weil wir von gestern noch ein wenig Fußkrank sind (aber jeder heute mit den Schuhen seines Vertrauens ausgestattet), traben wir zunächst mal zum Bahnhof und hoffen dabei erstens auf Erkenntnisse für die morgen geplante Zugfahrt zum Flughafen und zweitens auf einen Transfer in die Stadt.

BINGO

Hier funktioniert die Metro.
Sehr süß – es gibt genau zwei Metrolinien – A und B.
C hatten wir gestern schon bei mehreren Baustellen als Projekt erspäht.

Mein Sohn ist richtig begeistert von der automatischen Schranke.
Fahrkarte rein – schwupp ist sie weg – und taucht am anderen Ende des Gerätes wieder auf. Dafür öffnen sich die Plastiktüren und man kann passieren.

Nicht ganz so Hightech-mäßig ist dann der Bahnsteig.
Alles leicht marode.
Und die Anzeige besagt auch nicht viel – „Nicht rauchen“ – das ist vielleicht wichtiger, als wir ollen Nichtraucher vermuten.

Ich verstehe ja nicht, warum es immer an der anderen Kasse schneller geht und natürlich in diesem Fall der Zug auf der anderen Seite und in die andere Richtung schneller kommt.
Sogar zwei davon.

Die uns einen ersten Eindruck der hiesigen Metro-Füllstände geben.
„Voll“ ist da leicht untertrieben.
„Überfüllt“ trifft es eher.

Aber die Busse die wir gestern sahen, waren sogar noch voller.
Weswegen wir nicht im Traum daran dachten, sie zu nutzen.

Und dank Metro kommen wir pünktlich (na ja – also natürlich rund 20 Minuten zu früh – dieser Webertsche Puffer dient unserem unmittelbaren Wohlbefinden) am Treffpunkt vor dem Colosseum – also eigentlich hinter dem Kiosk der Metrostation B an.

Um uns herum gesellen sich recht schnell weitere deutschsprachige Touristen.
Zum Schluß naht auch der Veranstalter.
Er hat gleich drei Führer im Schlepptau.

Aber nicht, dass ihr glaubt da dürfen wir aussuchen… wir werden zugeteilt.

Von Aussen ist das Colosseum imposant, von Innen der Hammer
Francesco ist nett, aber sehr studiert. Leider. Er hat ganz bestimmt in den vier Stunden, die die Führung eigentlich dauert, keinen einzigen inhaltlichen Fehler gemacht – mir fehlt es aber an kleinen, feinen, humoristischen Einlagen, wie wir sie bei anderen Guides um uns herum erspähen…

Anschauliche Schilderungen mit ein wenig „Ave, Caesar, morituri te salutant!“ – das ist doch, was so ein Asterix-begeistertes Jungenherz (mit Lateinunterricht) erreicht… oder auch die Demonstration einer Engländerin für ihre Gruppe, wie man an den öffentlichen Wasserspendern gekonnt seinen Durst löscht und das Wasser dabei den Hauptweg zum Mund machen lässt – spritzt halt ein wenig 😉

Doch die Bauwerke sprechen natürlich für sich und es ist auf jeden Fall angenehm an den langen Schlangen vorbei zu gehen und nur wenig Zeit in Rumsteherei zu investieren.

Das Colosseum ist ja von außen wirklich imposant – nachts wird es zudem sehr gelungen illuminiert.

Nur Bauwerke, die sozusagen konvertiert sind, haben überlebt - erklärt Francesco
Aber wenn man sich dann innen bewegt, erkennt man erst wie meisterlich die alten Römer hier gebaut haben.
Francesco wiegelt unsere Begeisterung ein wenig ab – schließlich sei gar nicht mehr so viel zu sehen…

Doch uns beeindruckt die erkennbare Architektur, die Ideenvielfalt und vor allem die zahlreichen Gänge unterhalb der eigentlichen Arena.
Und wir schnappen bei anderen Touris Informationen zu Flutungsgeschichten und Verbindungsgängen auf.

Im Anschluß marschieren wir hinter seinem – also irgendwie ja unserem – roten Regenschirm (ohne Regen!) her in Richtung Forum Romanum.

Dies liegt zwischen den drei Stadthügeln Kapitol, Paladin und Esquilin, die zu den sieben römischen Hügeln gehören und zu den ältesten besiedelten Stellen der Stadt.
Auf dieser historischen Fläche hat die Sonne kein Erbarmen und wir wären jetzt doch froh über ein wenig Regen.
Oder auch eine Wolke.

Um uns herum kauern andere Touristen und drängen sich in den wenigen Schattenplätzen.
Francesco erklärt die einzelnen Ruinen und Tempel und wir erfahren, dass gerade im Mittelalter viel zerstört wurde, da das Baumaterial für neue Gebäude herhalten musste.

Nur diejenigen alten Tempel, die ihre alten Götter aufgaben und sich dem christlichen Gott oder doch wenigstens einem Heiligen zuweisen liessen, blieben verschont und haben damit überlebt.

Im Netz habe ich eine gute Übersicht zum Forum Romanum gefunden… also für den, der es genauer wissen will.

Rund 1700 Jahre lange, war dies der größte Kuppelbau der Welt
Das Pantheon ist – gerade bei Regen – ein Traum.

Nicht weil es so schön voll ist, sondern weil durch das neun Meter große Loch in der Decke der Regen herabfällt – weswegen es natürlich noch voller hier ist.

Die einen suchen Schutz, die anderen einen neuen Blick auf den Regen.

In der Mitte des Mosaikbodens sperrt ein Seil den Boden direkt unter der Öffnung.

Die Archäologen sind sich übrigens nicht wirklich einig, warum die Erbauer ein Loch in der Kuppel liessen – natürlich kommt Licht rein und man spart sich tagsüber die zusätzliche Beleuchtung, aber manche vermuten hier eine riesige Sonnenuhr.

Egal – mein Sohn erklärt mir begeistert, wie hervorragend man dies Gebäude und auch einige der anderen in Minecraft nachbauen könnte… na, die haben heutzutage Probleme, die Kids 😉

Die Antike ist für uns von oben her abgenagt. Das haben Barbaren, Banausen und vor allem der Zahn der Zeit besorgt. … Das einzige antike Gebäude, das seine Bedachung nicht verloren hat, ist das Pantheon, dessen Kuppel, ein Weltwunder, die Zeiten überstanden hat. …
Ich bin sicher, dass viele die da hineingehen, sich gar nicht vergegenwärtigen, dass sie in einer Kirche sind.
Pantheon: das Allgötterhaus. … S. Maria Rotonda heißt das Pantheon, aber es hat diesen Namen nie eigentlich angenommen.

Herbert Rosendorfer

Weiter geht die Tour und wir erreichen den Trevi-Brunnen.
Hier ist es jetzt wirklich so voll, dass man jegliche Lust verlieren kann.

Francesco meint, man hätte vielleicht morgens gegen 4 mal die Chance den Brunnen mit weniger Menschen zu sehen.
Doch das ist er uns garantiert nicht wert.
Wir werfen dezent ein Münzchen rein – schließlich muss man ja nicht wieder hierher sondern kann sich andere Stellen Roms anschauen.

Unsere Führung endet auf dem Piazza Navona.
Hat natürlich so gar nichts mehr mit dem von Julius Cäsar errichteten Leichatletik-Stadion zu tun.
Auch hier wimmelt es von Touristen und fliegenden Händlern, überall werden Minuten-Portraits gezeichnet und ich entkomme dem Ansinnen meines Sohnes ein derartiges Werk als Andenken erschaffen zu lassen nur mit Mühe.

Ich glaube das Obst hat ihn immer abgeschreckt
Aber es gelingt mir.
Und mir gelingt erstmals (wahrscheinlich durch die Vorarbeit seines Lateinlehrers, der so sehr schwärmte), dass er ein Eis ißt.

Und ihr werdet es nicht glauben: es schmeckt meinem Sohn nicht nur, sondern lässt ihn genussvoll erschauern.
Damit hatte er überhaupt nicht gerechnet.
Zu bunt, zu fremd, zu wenig portioniert.
Und häufig ja auch noch mit frischem Obst geschmückt.
Da wollte er partout nicht ran.

Und jetzt kann er kaum das nächste erwarten.