Kräuterkunde 2.0 in Churfranken

Nicht nur „gegen“, sondern auch „für“ alles ist ein Kraut gewachsen. Und wenn man das große Vergnügen hat im Verlauf eines hervorragenden Menüs statt „schnödem Smalltalk“ Kräuterwissen zu konsumieren, bin ich natürlich sofort dabei 🙂

Engelbert Kötter, dessen große (und professionelle) Leidenschaft die Kräuterkunde ist, hat zahlreiche unbekannte Pflanzen in Kisten, Kasten und Kartons, stellt sie vor, lässt uns schnuppern, kosten und erschauern…

Fenchel-Agastache

„Agastachen“ sind Duftnesseln, also Stauden mit schlanken, hohen, aufrechten Blütenkerzen, die mit ihrem Duft Bienen und Schmetterlinge anlocken. Die Fenchel-Agastache blüht violett – unsere hier leider nicht. Die Blüten sind ein wenig wie die der Taubnesseln – auch im Geschmack 😉 Und man kann sie auch genau so auszuzeln…Aber es sind eh die Blätter, die den meisten Geschmack bieten: süßlich nach Anis.

Engelberts Tipp für Süßspeisen – und sei es nur als Dekoration statt eines schnöden Minzblättchens.

Fenchel-Agastache

Süßdolde und Guter Heinrich 

Das die Süßdolde mit Kerbel verwandt ist, sieht man ein wenig an den Blättern. Sie schmeckt süßlich nach Anis (was ja nun nicht mein absoluter Liebling ist) – aber wer es mag, kann die länglichen, gerippten Früchte bald nach der Blüte, also wenn sie noch grün, saftig und nicht faserig sind naschen..  Engelbert meint: „Die schmecken dann tatsächlich wie ein süßer Tautropfen frischen Lakritzes“ – tja, wer es mag (mein Mann wäre ein großer Fan)!

Guter Heinrich ist inzwischen ein Klassiker der „Alten Gemüse“ die wieder einen Platz im Garten erhalten. Wahrscheinlich auch, weil er sehr einfach zu kultivieren ist. Die jungen Blätter können wie Spinat und die ungeöffneten Blütenstände wie Brokkoli bereitet werden. Nicht nur die Deutschen liebten Heinrich – die Franzosen nennen ihn „Bon Henri“, die Engländer „Good King Henry“. 

Süßdolde und Guter Heinrich

Schildampfer oder Französischer Sauerampfer

Der Schildampfer ist einfach ein wenig „feiner“ im Säuregrad als anderer Sauerampfer und daher wirklich sehr angenehm. Also fand ich, den anderen war er zu sauer.

Engelbert Kötter mit Schildampfer

Weiter geht die Kräuterkunde

Engelbert zeigt uns Peruanische Kresse, Barbara Kresse und Staudenkresse (auch Pfefferkraut genannt), deren jüngere Blätter die Schärfe von Meerrettich erreichen.

Eberraute und Pectrantus und Annanassalbei und fragt nicht, wie viel er uns noch gezeigt hat… aber irgendwann wußten wir alle nicht mehr, was wir mochten und was nicht. In meinen Notizen habe ich zum Glück gleich Sternchen vergeben. Fenchel-Agastache, Schildampfer und Staudenkresse will ich in meinen Garten willkommen heißen… vielleicht auch den Koriander.

Vietnamesischer Koriander

Vietnamesischer Koriander

Bei frischem Koriander scheiden sich die Geister: ich glaube ALLE Menschen mögen den Geschmack der getrockneten Koriandersamen – aber das frische Kraut wird entweder geliebt oder gehasst. 

Das ist bei vietnamesischem nicht anders. Allerdings hat mich aufhorchen lassen, dass es sehr unempfindlich ist. Das kann ich von Koriander sonst nicht bestätigen. Entweder er ist ganz klein, wächst oder ist ausgewachsen und bildet Samen… dazwischen erwische ich ihn nie 😉 Der vietnamesische hingegen wächst kriechend und soll leicht zu pflegen sein. Mal schauen.

 

Und dann kommt diese kleine, gelbe Blüte der Parakresse – artig wie wir sind, beißen wir zu… ich sag´s ehrlich: einmal und nie wieder!

Zuerst denkst du, du beißt auf Brausepulver, irgendwas passiert in deinem Mund. Es schmeckt salzig und scharf zugleich, es ist extrem unangenehm und du verlierst die Kontrolle über den ganzen Mund… er ist betäubt und übererregt zugleich. Bääähhhhh!

Churfranken Bitter

Mitten in den Weinbergen oberhalb Erlenbachs am Main haben wir Engelbert und seine Liebe zu den wilden Kräutern übrigens kennen gelernt.

Hier gibt es den Churfranken-Kräutergarten. Einen ganz besonderen (nicht nur wegen des Ausblicks). Hier darf sich nämlich jeder sein Sträußchen holen… in normalen Mengen und mit Rücksicht auf Garten und andere. Eine schöne Idee. 

Eigentlich waren diese Kräuter ursprünglich für den Churfranken Bitter gedacht: Thymian, Spitzwegerich, Brombeere und Rosenblätter, Wermut und Weinraute sind bei den zwölf verwendeten Kräutern natürlich immer noch dabei – doch der Anbau hier im Weinberg hat sich nicht bewährt und so werden die Zutaten andernorts in Churfranken angebaut – wahrscheinlich ohne so einen schönen Blick auf den Main.

Mit freundlicher Unterstützung von Mainland Miltenberg – Churfranken e.V. 

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